Anton Kirschbaum

Anton Kirschbaum


Auf den ersten Blick scheint es recht ungewöhnlich, dass sich im harten Bergmannsberuf seit alters her vielerlei Talente mit kreativem Schaffensdrang entwickelt haben. Doch beim gefahrvollen Schürfen nach Eisenstein in dunklen Stollen und Schächten, umgeben von mächtigen Felswänden, betäubendem Lärm und der ständigen Sorge um das täglich` Brot, sehnten sich die Knappen nach einem harmonischen Ausgleich im geruhsamen Feierabend. Auf dieser Grundlage brachte der Bergbau auch im Siegerland und im Westerwald immer wieder Männer hervor, die sich auf kreativem Gebiet einen guten Namen machten, sei es als Dichter, Maler, Kunsthandwerker, Musiker, Theaterspieler, Komponist oder Fotograf.
Als beachtlicher Förderer bergmännischer Kunst und Kultur ging Anton Kirschbaum (1832–1904) in die Geschichte des Gebhardshainer Landes ein.

Als er 1872 unter kruppscher Leitung Betriebsführer auf Grube „Bindweide“ wurde und bald darauf die Gründung eines Knappenvereins mit Bergkapelle und Gesangskorps in die Wege leitete, konnte er die Tragweite seines kreativen Lebenswerks noch nicht erahnen. Eine ausführliche Lebensbeschreibung sowie ein Liederbuch mit eigenen Kompositionen blieben bis heute erhalten. Gemeinsam mit begeisterten Bergmusikern, allen voran mit Männern der Musiker-Dynastie Roth aus Hommelsberg, gelang Obersteiger Kirschbaum 1876 der hoffnungsvolle Start der Bindweider Bergkapelle. 
 
Kirschbaum erblickte in Huf bei Horhausen das Licht der Welt. Seine Wiege stand in einer alten, frommen Bergmannsfamilie. Nach dem Besuch der Bergschule in Siegen erwarb sich Kirschbaum zunächst berufliche Verdienste, u.a. im Tunnelbau und auf Grube „Gottessegen“ bei Siegburg. Nach erfolgreicher Einführung des maschinellen Tiefbaus auf Grube „Bindweide“ und nach rasanter Aufwärtsentwicklung der Fördermengen konnte Obersteiger Anton Kirschbaum 1897 seinen wohl verdienten Ruhestand antreten. Als er 1904 seinen Lebensweg beschließt, hatte der begnadete Musiker, Komponist und „Vereinsmotor“ längst sein künstlerisches Wirken vererbt.
 
Sohn Peter Joseph Kirschbaum (1866–1926), kruppscher Konsumverwalter in Steinebach, widmete sich in seiner Freizeit dem Theaterverein „Humoristika“ und ging mit seiner Plattenkamera - oft in Regie und unter Anleitung seines Vaters - auf Entdeckungstour. Zahlreiche erhalten gebliebene Foto-Dokumente aus dem Orts-, Arbeits- und Familienleben um 1900 tragen die einzigartige „Handschrift“ von Vater und Sohn Kirschbaum.
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